Am Samstag, 15. März 2025, weihten rund 150 Teilnehmer bei einer vom Aktionsbündnis Trassengegner organisierten Demonstration ein Banner gegen Juraleitung und Umspannwerk ein, das von jetzt an gut sichtbar im Wald oberhalb von Ludersheim hängt.
Es ist das erste Banner von mehreren, die von einem Baumkletterer in den Bäumen angebracht werden und mit denen rund um das stark vom Trassenbau betroffene Gebiet auf drohende Rodungen hingewiesen wird. Für die geplante Juraleitung würde hektarweise alter Baumbestand zerstört werden. Allein das zweite Umspannwerk würde eine Fläche von rund 14 Hektar beanspruchen, dafür sollen fünf Hektar Wald gerodet werden, die restliche Fläche ist wertvoller und für die Landwirte unverzichtbarer Ackerboden. Für 30 neue Masten allein im Nürnberger Land sind mindestens 24 Hektar Wald in Gefahr.
“Märchenwald” betroffen
Hans-Dieter Pletz von der Ortsgruppe Altdorf/Winkelhaid des BUND Naturschutz (BN) stellte klar, dass der Umweltschutzverband die Juraleitung grundsätzlich ablehne. Bei Kartierungsarbeiten des BN entlang der geplanten Trassenführung wurde viel Schützenswertes erfasst: Mischwälder mit bis zu 300 Jahre alten Eichen und Brutstätten vieler Vogelarten. “Wir haben bei unseren Erkundungen einen seltenen Flatterulmen-Wald vorgefunden, der wie ein Märchenwald ausschaut”, so Pletz. Auch sei eine der größten Amphibien-Populationen im Nürnberger Land durch die geplanten massiven Eingriffen in die Natur gefährdet, deren Lebensraum mit dem Bau eines neuen Umspannwerkes zerstört werden würde.
Widerstand der Landwirte
Bürgermeister Martin Tabor wies auf eine positive Entwicklung hin: Die Firma Tennet stoße aufgrund des Widerstands der Bevölkerung erkennbar an ihre Grenzen. Die Grundstückseigentümer vor Ort wehren sich gegen den Verkauf der Flächen. Der Übertragungsnetzbetreiber versuche derzeit dennoch, die Eigentümer frühzeitig zum Verkauf zu bewegen und dazu, dass sie ihre Grunddienstbarkeit an den Übertragungsnetzbetreiber abgeben. “Und das, obwohl das Planfeststellungsverfahren noch gar nicht abgeschlossen ist und überhaupt nicht klar ist, ob und wohin die geplante Stromtrasse und das zweite Umspannwerk gebaut werden kann.” Tennet wolle ohne vollendetes Genehmigungsverfahren vorzeitig Fakten schaffen, was höchst fragwürdig sei. “Ich stehe in dieser Sache weiterhin fest an eurer Seite!”, versprach Martin Tabor den Demonstrierenden. Für die Versorgung der Region sei die neue Leitung nicht relevant, die Juraleitung diene, auch laut des von der Stadt Altdorf in Auftrag gegebenen Gutachtens, dem Strom-Abtransport in Richtung Süden. “Das kann nicht die Lösung für unsere Energieversorgung sein!”, stellte Tabor fest.
Landwirtin Carmen Brunner bekräftigte: “Wir haben bis zum heutigen Tag die Fristen für den Verkauf unserer Grundstücke verstreichen lassen!” Die Bewohner in Ludersheim seien nicht bereit, “ihren Lebensmittelpunkt für eine, von den Kosten überteuerte, gesundheitsschädliche Trasse” an Tennet abzugeben. “Wir wohnen seit Generationen in Ludersheim, lange, bevor das erste Umspannwerk gebaut worden ist”, so Brunner. Ihr größter Wunsch sei, dass ihr Zuhause weiterhin lebenswert bleibe.
LiederDieter stellte sein neues Wald-Lied und die aktuelle Version des bewährten “Trassen-Songs” vor. Für gute Stimmung sorgte ein von den Ludersheimern organisiertes Büffet mit Kaffee und Kuchen.
Fotos: Kerstin Frey, Hubert Galozy